Die Sturmflut im Schwarzwassertal 1931

Eine Unwetterkatastrophe suchte das Schwarzwassertal am 6. Juli 1931 heim. In der Nähe des kleinen Kranichsees (Johanngeorgenstadt) brachen ungeheure Wassermengen aus den Gewitterwolken (EZV, S. 3).
In einer Erinnerungsschrift des Erzgebirgs-Zweigvereins Breitenbrunn von 1931 wird der 6. Juli beschrieben: "Ein windstiller Sommertag war's. Gegen 4 Uhr nachmittags setzte ein Dämmern ein, das jeden mit Befürchtung erfüllte und mit Regen, Blitz und Donner ein furchtbares Naturgeschehen einleitete. Herabströmender Regen verengte den Horizont, der nur durch schreckhaft grelles Aufblinken und kurzschlußartiges Zucken der andauernden Blitzlichter sichtbar wurde. Krachendes Bersten und splitterndes Klirren ließ ein Unglück größeren Ausmaßes ahnen. Fortwährendes Donnergrollen begleitete den wolkenbruchartigen Niedergang des Wassers. Gegen 6 Uhr erst war es möglich ins Freie zu tretten. Da erschollen auch schon die Rufe: Ueberschwemmung! Hochwasser! Hilfe!" (EZV, S. 4).
Aus dem Ort Steinbach wurde ein einziger See (ebd.). Der Steinbach wälzte Felsbrocken bis zu einem Gewicht von 2,5 Tonnen mit sich. Bäume wurden entwurzelt. In der Kellerschleiferei Erlabrunn wurde ein Personenwagen der Marke Opel weggeschwemmt und demoliert. Der Anhängewagen eines Lastgeschirres wurde im Geröll restlos eingeschwemmt. Von einem 30 Meter langen Lagerschuppen blieb nichts mehr übrig: Er verschwand spurlos (ebd., S. 8).
In der "Zwickauer Zeitung" (Nr. 156/1931) wird berichtet: "Am 'Täumerhaus', wo der Steinbach in das Schwarzwasser mündet, sind die durch die Stauung hervorgerufenen Verwüstungen besonders schwer. Ueber einen Meter hoch hat während der Ueberschwemmung im neuerbauten Täumersaal der Schlamm gestanden, und in den umliegenden Mühlen ist es nicht anders. Bis an die Fenstersimse der an und für sich schon erhöht gebauten Gebäude haben die Wasser der, wie Augenzeugen berichten, drei bis vier Meter hohen Springflutwelle des Wolkenbruches gereicht." In Erlabrunn und am Hotel Täumerhaus leistete die Technische Nothilfe aus Chemnitz erste Hilfe (EZV, S. 8).
Beinahe wäre zwischen Erlabrunn und Georgenthal ein Mann ums Leben gekommen. Der Breitenbrunner Feuerwehrmann Rudolf Teumer und der Branddirektor Kurt Müller retten den Führer eines Holzfuhrgeschirrs sowie dessen Pferde aus den Fluten. (ebd., S. 10).
Am 11. Juli berichtet das "Zwickauer Tageblatt und Anzeiger" (S. 9) über Hilfsmaßnahmen am Tag nach der Flutkatastrophe: "Dienstag wurden unter Führung von Reichstagsabgeordneten Horn in Eibenstock... 125 Mann der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei freiwillig eingesetzt. Sturm 60 (Eibenstock - Sosa - Johanngeorgenstadt), Sturm 237 (Schneeberg - Neustädtel - Schlema) und Sturm 55 (Bockau - Albernau) arbeiteten früh in Erla und Erlabrunn. Die Bahnhofsverwaltung Erlabrunn stellte Ketten, Sägen u. a. zur Verfügung."

Literatur: Erzgebirgs-Zweigverein Breitenbrunn (Hrsg.), Die große Flut im Steinbachtal und bei Breitenhof im Schwarzwassertal am 6. Juli 1931, Lauter 1931 (zitiert als EZV).